Aktuelles: Laupheim

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Aktuelles
Autor: Nicole Hentschke
Artikel vom 16.07.2021

„Krähengipfel“ - Austausch in Riedlingen zum Thema Saatkrähen

Saatkrähen sind in vielen Gemeinden problematisch, weshalb ein Austausch umso wichtiger ist.

Am Donnerstag 15.07.2021 fand im großen Sitzungssaal des Rathauses Riedlingen ein Abstimmungsgespräch zum Thema „Saatkrähen“ statt.
Die Einladung erfolgte durch die Stadt Riedlingen, BM Schafft, in Abstimmung mit der Stadt Bad Waldsee, BM Henne. Der Einladung gefolgt sind die regionalen Landtagsabgeordneten Burger und Dörflinger sowie ELB Holderried vom Landratsamt Biberach und Frau BM Wind aus Laupheim.

In guter Atmosphäre wurden die unterschiedlichen Konstellationen und Ausprägungen der Saatkrähenkolonien in den Städten Laupheim, Bad Waldsee und Riedlingen besprochen. Die Stadt Laupheim hat mit 30 Jahren die längste Erfahrung im Umgang mit Saatkrähenkolonien (in Höchstzeiten bis zu 900 Brutnester). Saatkrähenkolonien sind  aber auch in Bad Waldsee (120 Brutnester) und Riedlingen (90 Brutnester) in nicht geringem Umfang vorhanden. BM Wind erläuterte den Teilnehmern die Erfahrung aus verschiedenen Maßnahmen zur Vergrämung der Saatkrähen, welche in enger Rücksprache mit dem Landratsamt Biberach erfolgte. Ein vollständiges Vergrämen sei fast unmöglich. „Es ist schon verwunderlich, dass es im Gegensatz zu einigen anderen Bundesländern in BW keine Bestandserfassung von Saat-Krähen-Populationen gibt. Es fehlt als Grundlage ein einheitliches Monitoring, um daraus weitere Handlungsanweisungen abzuleiten.“ wundert sich BM Wind.

Bedauerlicherweise gibt es derzeit keine schnelle und wirksame Lösung, auch aufgrund der Rechtsprechung, so die beiden Bürgermeister Marcus Schafft und Matthias Henne. Es sei aber dennoch wichtig im offenen Dialog zu bleiben und weiterhin nach Möglichkeiten zu suchen, mit Unterstützung der Politik.

Wegen des absoluten Schutzes der Saatkrähen (§ 44 BNatSchG) ist bei Eingriffen in deren Lebensraum eine besondere Verhältnismäßigkeitsprüfung im Sinne § 45 BNatSchG erforderlich. Die Prüfung ist nach Einschätzung von ELB Holderried sehr komplex. Der Blick des weiteren Vorgehens müsse daher auf einer landesweiten Populationserhebung und daraus folgend auf einer ggf. gebotenen Eröffnung weiterer Handlungsoptionen auf übergeordneter rechtlicher Ebene liegen.

BM Schafft zitierte dazu aus dem „Konzept zum Umgang mit Saatkrähenkolonien in Bayern“ des Bayerischen Landesamtes für Umwelt: „Siedeln sich Saatkrähenkolonien in der Nähe des Menschen an oder überschreiten sie eine gewisse Größe, werden sie häufig als störend empfunden. Maßnahmen zur Vergrämung, …, sind oft nur wenig erfolgreich. Meist führen sie zur Aufsplitterung von Kolonien und damit zu einer Verteilung der Probleme auf größerer Fläche. So ist es zu verstehen, dass die Ungeduld in manchen Gemeinden wächst und damit der Druck steigt, Kolonien vollständig zu vertreiben.“  BM Schafft bat die Abgeordneten auch eine Handreichung analog des „Konzept zum Umgang mit Saatkrähenkolonien in Bayern“ des Bayerischen Landesamtes für Umwelt bei den Fachministerien in Baden-Württemberg anzuregen. Dies erleichtert Prüfung und Identifizierung geeigneter und akzeptierter Maßnahmen. Eine Hilfe für Fachbehörden und Kommunalverwaltungen.
Schnell erzielten die Anwesenden Einigkeit, dass zuerst die Gesamtpopulation der Saatkrähen in Baden-Württemberg ermittelt werden müsse, um den Schutzbedarf zu ermitteln. Zudem bedürfe es einer Handreichung an die Kommunen zu wirksamen Maßnahmen. Hier seien das Land und der Bund gefordert.

MdL Klaus Burger schilderte dazu, dass er aktuell einen Antrag als Abgeordneter eingebracht habe, der sich genau damit beschäftigt.
MdL Thomas Dörflinger unterstützt dieses Vorgehen: "Das Umweltministerium soll uns Wege aufzeigen, wie sich die Konflikte mit der Saatkrähe lösen oder zumindest begrenzen lassen. Die Saatkrähe ist streng geschützt. Dennoch brauchen wir praktikable Ansätze für Konfliktsituationen vor Ort, auch wenn kurzfristige Lösungen nicht in Sicht sind."
Einig sind sich alle Teilnehmer, dass die Lebensqualität, der in unmittelbarer Nähe der Saatkrähen wohnenden Bürger, stark beeinträchtigt ist.  Der Artenschutz der Saatkrähen lässt derzeit keine kurzfristigen Lösungsansätze zu, welche zu einem für alle Seiten befriedigenden Ergebnis führen. Hier ist am Ende vor allem die europäische Ebene gefragt!

Die Teilnehmer vereinbarten die Fortsetzung des Austauschformats im Herbst 2021 und hoffen dabei schon neue Informationen und damit weitere Schritte zur Lösung des Konflikts beitragen zu können.


Teilnehmer:
MdL Klaus Burger
MdL Thomas Dörflinger
ELB Walter Holderried
BM Matthias Henne
BM Eva-Britta Wind
BM Marcus Schafft
OALtrin Claudia Schulze
Krähenbeauftragter Bad Waldsee Kuschien

 
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